|
Ursprünglich sollte der Volkswagen für 990 RM verkauft werden. Durch den Zweiten Weltkrieg bekam jedoch keiner der 300 Tausend Menschen, die Raten dafür bezahlt hatten, etwas für sein Geld. Zwar legte Adolf Hitler 1938 selbst den Grundstein für das erste Volkswagen-Werk, dort wurden jedoch etwa 60 Tausend Kübelwagen und Schwimmwagen für den Krieg produziert. Bis Kriegsanfang wurden jedoch nicht mal 700 Käfer fertig gestellt.
1945 bekam der Produktionsstandort, an dem bereits 17 Tausend Menschen lebten, den Namen Wolfsburg, und der totgeglaubte Volkswagen kam wieder in das Laufen.
VW Käfer mit seinem typischen "Gesicht"
Am 5.08 1955 wurde der millionste Käfer gebaut. Wie kaum ein zweiter Artikel symbolierte er das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre in dem Westen Deutschlands.
VW setzte auf Weiterentwicklung des Modells bis zu dem (Beinahe-)Kollaps des Unternehmens. Am deutlichsten in den Veränderungen der Karosserie: 1952/53 Ovals Rückfenster, 1957 rechteckiges Fenster, 1963 wieder ein Größeres Rückfenster, 1967 Generalüberholung mit Aufrecht stehenden Scheinwerfern und kastenförmigen Stoßstangen. Technischer Höhepunkt: 1972 der 1302 (langer Vorderwagen, McPherson Federbeine), auch als Cabrio und 1973 der große 1303 (wie 1302 jedoch mit völlig neuem Armaturenbrett und gewölbter Scheibe, ein Tribut an die US-Sicherheitsvorschriften), als Cabrio und legendär die Variante Gelb-Schwarzer-Renner in Rallye-Optik. Es war ein solches 1303-Modell, das 1973 als 15.007.032. Fahrzeug vom Band lief und damit als Weltmeister Fords Modell T, die legendäre Tin Lizzy als meistgebautes Auto ablöste.
Nebenbemerkung: viele denken, der Käfer sei das meistgebautes (Kraft-) Fahrzeug aller Zeiten, aber das ist nicht richtig: von dem Honda Moped "Cub" wurden weit mehr als 40 Millionen Exemplare in mehreren Ländern Asiens gebaut. Auch ein Moped ist ein Kraftfahrzeug. Der Käfer aber ist unangefochten das meistgebaute Auto!
Im August 1974 endete die Käfer-Produktion am ersten Standort in Wolfsburg: der neue VW Golf forderte Platz. Damit war auch gleichzeitig Schluß mit der modernen Variante 1303 und Weiterentwicklung des Käfers an sich. Trostpflaster: Selbst 30 Jahre später sind trotz der kurzen Bauzeit die großen Modell noch häufig auf den Straßen anzutreffen.
Die auf dem Urkäfer basierende Spar-Version (VW 1200) wurde dann weiter in Emden produziert. Die letzte Käfer-Limousine aus deutscher / europäischer Fertigung lief in Emden in dem Januar 1978 vom Band. Das Cabrio auf Basis des 1303 wurde bei Karmann in Osnabrück bis 1980 weiter gebaut und war lange Zeit das erfolgreichste Cabrio aller Zeiten (abgelöst vom Nachfolger Golf-Cabrio).
In Mexiko wurde 1981 der 20-millionste Käfer gebaut (Basis: VW 1200). Hier wurde der Käfer vor allem gern als Taxi eingesetzt, für einen bequemeren Einstieg des Fahrgastes in die enge Kabine wurde meist durch ausgebauten Beifahrersitz nachgeholfen. Ein Umstand, der schließlich noch für das Ende des Käfers sorgen sollte.
Die letzte offizielle Lieferung nach Deutschland wurde am 12.08 1986 auf den Weg geschickt.
Der Käfer kam in dem fernen Exil sogar noch in den Genuß einiger technischer Neuerungen wie Einspritzung und Katalysator für den nunmehr 1,6l großen und mit Kat 47 PS starken Motor.
Die Handelskette ReWe sorgte um 1994 für Furore, als sie den Käfer wieder in Deutschland in ihren Supermärkten anbot. Auch andere Händler sprangen auf den Boom auf und importierten zusätzlich Fahrzeuge aus Mexico.
Mitte der 90er war der Käfer gleichzeitig in Südamerika so beliebt, dass sogar die Produktion der brasilianischen Variante wieder aufgenommen wurde: der 1200er mit alter Technik und der 60er Jahre- Karosserie, erkennbar an den kleinen Fenstern, die es in Deutschland ca. bis Mitte 1964 gegeben hatte. VW in Wolfsburg hatte die brasilianische Niederlassung unterstützt, indem der komplette Satz der zig Millionen teuren und zig Tonnen schweren Preßwerkzeuge der alten Käfer-Karosserie nach Braslien verschifft worden war.
1994 stellte Volkswagen den Concept 1 vor, ein Auto, das vom Design stark an den ursprünglichen Käfer erinnert. Seit 1998 wird das Modell als New Beetle neben dem Käfer ebenfalls in dem mexikanischen Puebla (ca. 70 km südlich von Mexiko-Stadt) in Serie produziert und seit 2003 um ein Cabrio ergänzt.
Eine neue mexikanische Taxi-Verordnung versetzte jedoch dem kleinen Krabbeltier schließlich den Todesstoß: Um Überfällen in Taxis vorzubeugen, durften fortan ca. noch 4-türige Fahrzeuge zugelassen werden. Mit Ausbleiben der Taxi-Bestellungen reduzierte sich die Nachfrage zu stark für eine Fortführung der Produktion. Eine Variante, die es zwar mal in Deutschland ernsthaft als Berliner Taxi gab, aber keine Alternative für die Großserie. Ein viertüriges ex-Taxi-Exemplar, gebaut von der Berliner Karosseriefirman Rometsch, die einst noch vor Karmann auch erste Cabrios gebaut hatte, steht heute in dem Automuseum von VW.
Die letzte Serie mit dem Namen Nostalgie-Edition (auch Ultima Edicion") wurde Anfang Juli 2003 vorgestellt. Davon sollten 3 Tausend Exemplare gebaut werden. In zarten Pastelltönen lackiert (blau, grün und beige) haben die Wagen farblich passende Felgen sowie Weißwandreifen und wie bis in die 60er ein Wolfsburg-Emblem auf der Kofferraumhaube.
Der letzte Käfer lief schließlich am 30.07 2003 vom Band. Das pastellblaue Modell erhält einen Platz in der Sammlung von VW.
Aber auch andere Modelle der letzten Version sind noch für einen Sonderstatus gut: Der vorletzte Käfer (beige) z.B. ist in Hamburg auf die zu dem Axel Springer Verlag gehörende Zeitschrift Auto Bild zugelassen und nimmt regelmäßig an Ausfahrten teil.
Mehrere Fahzeuge aus der Edition beschäftigen zunächst die Gerichte, bis sie in 2004 nach einem Rechtsstreit des letzten Importeurs nun doch zugelassen werden durften.
Ein Modell wurde Papst Johannes Paul II zu dem Geschenk gemacht, der bereits als junger Priester in Polen Käfer gefahren war.
Buch-Tipp: Jetzt helfe ich mir selbst (Band 145): VW Golf I Cabrio / Scirocco II Selbsthilfe Ich habe diese Buchreihe insgesamt als sehr detailliert und hilfreich kennengelernt, sehr übersichtliche Gliederung, reich bebildert und teilweise ausgezeichneter Erklärung. Leider sind für einen Voll-Laien selbst diese Erklärungen ab und zu nicht aufschlußreich genug, aber manche Ausführung würde den Umfang dieses Buches sprengen.... |